Seit mehreren tausend Jahren wird Wachs (anfangs neben Harzen und Pech) zur Abdichtung und Versiegelung von Weingefäßen wie Amphoren verwendet. Der älteste bekannte Fund ist eine ca. 2000 Jahre alte Flasche im südspanischen Carmona, die einen Wein enthielt, der mit heutigem Sherry vergleichbar ist. Die regelmäßige Nutzung von Glasflaschen mit Korkverschluss kam in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts auf. Die damaligen Flaschen und Korken, alle gefertigt in Handarbeit, waren nicht so präzise aufeinander abgestimmt, wie das heute dank Normen und industrieller Fertigung Standard ist. Also brauchte es weiter Wachs zur Abdichtung der nicht perfekt sitzenden Korken. Mit der zunehmenden Präzision im Rahmen der Industrialisierung wurde Wachs als reines Dichtungsmaterial für Alltagsweine bald überflüssig.
Für Weine, die länger aufgehoben werden sollten, brachte Wachs aber einen weiteren Vorteil, weil es die Korken vor Korkmotten und Nagetieren schützte. Im 18. Jahrhundert kamen dann Bleikapseln auf, oft mit Siegeln versehen, um hochwertige Weine vor den damals schon zunehmenden Fälschungen zu schützen. Bleikapseln, von denen man heute weiß, dass die gesundheitsschädliche Wirkung des Bleis nach etwa zehn Jahren Flaschenlagerung beginnt sich auf den Wein auszuwirken waren bis in die 1990er Jahre verbreitet, wurden dann durch Zinn abgelöst und verboten. Heute bestehen die Kapseln meist aus Aluminium oder Kunststoff.
Heute werden Siegelwachs und Siegellack hauptsächlich aus Design und Marketinggründen verwendet. Für Großflaschen sind zwar auch für jeden verbreiteten Flaschenhalsdurchmesser Kapseln im Markt verfügbar aber ohne enorme Mehrkosten schmucklos ohne das übliche Weingutsdesign. Darum werden die meist nur in kleiner Auflage produzierten Großflaschen besonders häufig mit Wachs oder Lack versiegelt.
Nahezu alle Betriebe, die heute Standartflaschen mit Versiegelung anbieten, haben damit in den letzten zwanzig Jahren begonnen. Anders Schloss Johannisberg, wo Klemens Wenzel Fürst von Metternich 1830 begann die unterschiedlichen Qualitäten und Stile seiner Weine mit unterschiedlich farbigem Siegellack zu unterscheiden, zur Garantie der Originalität zusätzlich gestempelt mit seinem Wappen. Es gab zwar kleine Änderungen aber der Großteil der Lackfarben hat dort bis heute die gleiche Bedeutung. Vor fast 200 Jahren stand der grüne Lack für die Riesling Spätlese und so ist es bis heute. Um einen „Grünlack“ mit echtem Siegellack und keiner farbig bedruckten Metallkapsel zu bekommen, muss man aktuell allerdings mindestens zur Magnumflasche greifen.
Neben dem, dass es für viele besonders wertig ausschaut, gibt es verschiedene andere Gründe für die Nutzung. Sowohl klassische Bioerzeuger als auch die junge Szene der Produzenten von oft ungeschwefelten „Naturweinen“ möchten keine Kunststoff- oder Metallfolie an ihrem Naturprodukt und bevorzugen deshalb Siegelwachs auf Bienenwachsbasis, oft auch für Weine die nicht zur langen Flaschenreife gedacht sind. Dem gegenüber stehen diverse Spitzenerzeuger, die ihre besten Weine einerseits mit farbigem Lack oder Wachs optisch aufwerten möchten und sie gleichzeitig besser auf eine potentiell jahrzehntelange Lagerung vorbereiten möchten. Bei den meisten Betrieben geht es nur um überschaubare Mengen, da das versiegeln in der Regel in aufwendiger Handarbeit erfolgt. Dass es aber auch in größerem Stil möglich ist, zeigt die fränkische Genossenschaft Winzerkeller Sommerach, die seit Jahren alle ihre Großen Gewächse, mehrere tausend Flaschen im Jahr, mit gelbem Siegellack verschließen.
Kein Korken ist perfekt dicht. So kann es unter einigermaßen dichten Metall- und Kunststoffkapseln durch aus dem Korken austretender Feuchtigkeit zu Schimmelbildung kommen, die zwar dem Wein nicht schadet aber nicht schön oder appetitlich aussieht. Um das zu vermeiden werden viele Kapseln mit zwei kleinen Löchern versehen, damit die Feuchtigkeit verdunsten kann. In dem heute nur noch sehr seltenen Fall, dass man Korkmotten im Keller hat, wäre das allerdings ein Problem, da Korkmotten ihre Kork-fressenden Larven durch diese Löcher auf dem Korken ablegen können. Ein dichter Lack- oder Wachsüberzug hilft hier doppelt. Korkmotten haben keine Chance und die Verdunstung durch den Korken (deren Ausmaß stark von der Luftfeuchtigkeit am Lagerort des Weins abhängt) wird auch in trockener Umgebung deutlich verlangsamt. Genau wie der Korken sind zwar auch Lack und Wachs nicht komplett dicht, beide sind leicht wasserhaltig und so kann Wasser langsam durch sie diffundieren. Vor eintretendem Sauerstoff schützen Wachs und Lack die Flasche kaum, das kann hingegen ein feuchter Korken recht gut. Deshalb ist die Hauptaufgabe des Wachs, den Korken möglichst lange ausreichend feucht zu halten. In Kombination mit einem guten Korken werden dann einige zusätzliche Jahre Reifepotential ermöglicht. Trotzdem kommt keine Korken mit Wachs/Lack Kombination an moderne Schrauber mit PVDC-überzogener Zinnfolie heran, die für Sauerstoff deutlich dichter ist (wenn man will, es gibt inzwischen auch Schrauber die absichtlich weniger dicht sind als sie sein könnten, um passend zur Weinart die ideale Reife zu ermöglichen).
Bleibt die Frage des Handlings beim Öffnen. Die Konsistenz und Festigkeit der Siegellacke und Siegelwachse reicht von extrem hart und damit brüchig und beim Anschneiden unangenehm staubig über leicht gummiartig und damit wunderbar mit einem Kellnermesser schneidbar bis zu sehr weich und klebrig. Ein Glücksfall, wenn es Gummiartig ist und mit dem Kellnermesser in wie bei einer normalen Kapsel abgeschnitten werden kann. Falls man dieses Glück nicht hat, dürfte in den meisten Fällen die beste Lösung sein, den Korkenzieher einfach durch den Lack in den Korken zu drehen, nun den Korken zu etwa zwei Dritteln herauszuziehen und dann mit einem Tuch oder Pinsel die Krümel zu entfernen. Bei sehr weichem und klebrigem Wachs gibt es zwar kaum bis keine Krümel aber nachdem die Flasche offen ist bekommt man die klebrigen Reste des Wachses nur mit Mühe von der Spindel des Korkenziehers. Wer sich das ersparen will, nimmt eine Portweinzange.